03 Dialog Pilotkurs

dialogische Entscheidungsfindung (dEf)

510.03.01 Basiskurs ausgearbeitet

Gute Entscheidungen entstehen nicht dort, wo sich die Lautesten durchsetzen. Sie entstehen dort, wo auch leise Stimmen, offene Risiken und unbequeme Einwände in die Lösung eingehen – und sie dadurch klüger, tragfähiger und oft überraschend besser machen. Zwischen Durchsetzen und Durchwinken gibt es einen dritten Weg: dialogisch entscheiden.

Worum es geht

Dialogische Entscheidungsfindung (dEf) ist eine praxisnahe Adaption des Konsent-Verfahrens für die Soziale Arbeit. Statt nach Zustimmung zu fragen, fragt dEf nach Einwänden – und macht Vorschläge dadurch tragfähiger, klarer und robuster. Konsens fragt „Sind alle dafür?” – dEf fragt „Hat jemand einen schwerwiegenden Einwand?” Es geht nicht darum, dass alle begeistert sind, sondern darum, dass niemand sagt: So geht das nicht.

Einwände sind ausdrücklich erwünscht. Sie decken blinde Flecken auf, bringen neue Perspektiven ein – und machen Vorschläge besser. Das Ziel ist nicht der perfekte Vorschlag, sondern: safe enough to try. Zwei durchgehende Fälle (Leo und der Keksfall) machen jeden Schritt konkret und alltagsnah.

Der Ablauf

Der dEf-Prozess gliedert sich in drei Phasen:

Phase 1 – Vorschlag: Eine Spannung benennen, einen Vorschlag einbringen, Verständnisfragen klären.

Phase 2 – Einwände: Reaktionen hören, Einwände sammeln, Einwände integrieren.

Phase 3 – Vereinbarung: Entscheidung treffen, Vereinbarung formulieren, verbindlich festhalten und mit Review-Datum versehen.

Was du nach dem Kurs kannst

  1. erkennen, wo Partizipation nicht trägt
  2. dialogische Entscheidungsfindung anwenden
  3. Einwände fachlich prüfen
  4. Grenzen und Konsequenzen verantworten
  5. das Gelernte im Alltag verankern

Am Ende steht ein eigenes Ergebnis: dein dEf-Praxisplan auf einer Seite.

Die Grundhaltung

Vier Punkte setzen den Rahmen: Es werden Vorschläge gemacht, keine Anweisungen. Einwände sind keine Störung, sondern wertvolle Hinweise. Der Vorschlag gehört ab dem Moment der Einbringung der Gruppe. Und es geht nicht ums Überzeugen, sondern ums gemeinsame Besser-Machen.

„Einwand heißt: Hier trägt etwas noch nicht.”

„Nicht alles ist verhandelbar. Aber fast alles muss erklärbar sein.”

„Nicht netter beteiligen – anders entscheiden.”

Für wen

Für Fachkräfte in Eingliederungshilfe, Gemeindepsychiatrie, Wohnstätten, Werkstätten, Betreutem Wohnen, Jugendhilfe, Pflege und Beratung.

Einordnung

dEf ist ein zentrales Werkzeug innerhalb der Teilhabe-orientierten Moderation (ToM). Gemeinsam mit der Achtsamkeits-basierten Recovery und dem Recovery-Kompass bildet es den methodischen Kern. Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Darstellung mit Beispielen aus der Eingliederungshilfe findet sich im Blogbeitrag zur dialogischen Entscheidungsfindung.

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Kontakt

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